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Ton-Spuren

Eine Zeitreise
Tonspuren in Rheinzabern sind Spuren des Lebens und Arbeitens in Tabernae.

Stationen sind:

Römerbad
Tongruben
Römerstraße
Brückenstein
Brunnen
Kaufmann-Bauten

 

Römerbad
"Hier wurden im Jahre 1855 die Fundamente eines römischen Bades aufgedeckt. Wieder zugedeckt 1857" lautet die Inschrift auf einem massiven quadratischen Gedenkstein unweit des Brückenstegs am Otterbach. Er erinnert an
die Ruinen einer römischen Badanlage, die in Ziegelmauerwerk ausgeführt war.

Unter dem Gedenkstein befand sich das Badegebäude einer römischen Landvilla, das von der ausgeprägten Badekultur der Römer zeugt.
Im nordöstlichen Teil fand man Reste eines Auskleideraums. Der Badegast begann seinen Badegang mit dem Kaltbad und dem anschließenden Laubad. Er ging weiter ins Warmbad, in dem eine halbrunde Wanne eingebaut war und beendete sein Bad im Schwitzraum. Das gesamte Gebäude wurde
mit einer Unterbodenheizung von einem Heizraum aus befeuert.

Entdeckung der Badanlage
"Viele zu Tage liegende Ziegelsteine in den Rheinzaberner Grüben und Altgeheg" machten im Jahr 1855 den damaligen Revierförster Lindemann auf die Überreste des Bades aufmerksam, woraufhin er erste Grabungen durchführte. Die Ergebnisse wurden dem Historischen Museum der Pfalz in Speyer präsentiert, das eine vollständige Freilegung der Ruine empfahl. Mit den weiteren Grabungen wurde der "Altertumsforscher" Michael Kaufmann mit mehreren "verläßigen Taglöhnern" beauftragt.
In den kommenden beiden Jahren konnten neben dem Bad auch die Reste zweier Ziegelbrennöfen freigelegt und dokumentiert werden. Durch Witterungseinfluss stark geschädigt wurde die Ruine im Januar 1857 wieder zugefüllt. Eine erneute Ausgrabung und Wiederverfüllung erfolgte 1905 durch Wilhelm Ludowici.

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Tongruben
Unter dem Schwemmsandfächer der Lauter zieht sich in ca. 2 m Tiefe ein mächtiges Band von sumpfig-kalkfreiem bis kalkhaltigem Ton, der in richtiger Mischung die Basis für die Terra Sigillata bildete. Die Schichten reichen bis zum Otterbach an der Nordflanke dieses Schwemmfächers. Die Römer erkannten dort beim Anlegen der rechtsrheinischen Hauptstraße die hohe Qualität des Tons und legten Tongruben an.

Der Ton wurde damals im Tagebau großflächig abgetragen. Man konnte noch in den Ton eingetiefte Treppchen, Drainagekanälchen und seitlich in die Tonlager eingetriebene Stollen feststellen, die nach Ausbeutung mit Abfallschutt aus der Töpferei verfüllt wurden.

In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts konnten hunderte solcher Gruben gezählt werden. In der Nähe der Bahnlinie Rheinzabern-Jockgrim findet man noch heute Spuren von "Schürflöchern" aus der Römerzeit.

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Schnitt durch eine römische Tongrube. Gut erkennbar sind die eingetieften Treppchen sowie die Entwässerungsdrainage.

Römerstraße
Die Römerstraße wurde als wichtigste Verbindung zwischen Italien und den Provinzen am Rhein erbaut und war Ausgangspunkt für die Gründung von Tabernae, das zunächst als Raststation der Römer angelegt war. Man kann sie noch heute in der Mitte der Grünfläche zwischen Grundschule und Kindergarten erkennen.

Noch heute orientieren sich Ackerfluchten und Feldwege an der Römerstraße.
Auf landwirtschaftlich genutzten Flächen wurde
oft die obere Straßenschicht durch den Pflug aufgerissen und zeichnet sich nun als Kiesband ab. Hier sind die Wachstumsbedingungen so schlecht, dass die Aussaat nur kümmerlich wächst. Dies ist vor allem auch deshalb auffallend, da sie in den angrenzenden humusreichen Straßengräben gut gedeiht.

Neuere Grabungen
Neuere Grabungen haben ergeben, dass die Straße ursprünglich eine ca. 20 m breite Sandpiste war. Mit der Zeit hatte der rege Reiseverkehr tiefe Fahrspuren im Sandbett hinterlassen. So wurde der Straßenkörper auf eine Breite von ca. 7 m reduziert, mit Schutt gefüllt und anschließend mit einer Fahrbahndecke aus Ziegelsplitt und Kalk überzogen. Links und rechts der dammartigen Straße leiteten Straßengräben das Regenwasser
in Sickergruben.

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Ausschnitt aus der Kopie einer römischen Wegekarte (Tabula
Peutingeriana). Neben Rheinzabern (Tabernis) sind die Orte Selz (Saletione) und Speyer (Noviomagus) mit Angabe der Entfernung in Leugen aufgeführt.

Römerstraße "Im Steingebiß"
Brückenstein
Knapp 25 Meter von der Römerstraße entfernt, im Hof der Grundschule, steht die Nachbildung eines römischen Inschriftensteins. Der Text lautet:

IN H(ONOREM) D(OMVS) D(IVINIAE)
L. SILVANVS
PROBVS
PONTES
D(E) S(VO) D(ONO) D(EDIT)


(Zu Ehren des göttlichen Kaiserhauses hat Lucius Silvanus Probus Brücken aus eigenem Vermögen gestiftet.)

Ein Stein mit der gleichen Inschrift befindet sich
im Historischen Museum der Pfalz in Speyer.
Aus dem Namen des Stifters geht hervor, dass er Einheimischer und im Besitz des römischen Bürgerrechts war.

Der Originalstein wurde im Jahr 1531 von Beatus Rhenanus, einem bekannten Humanisten und Geschichtsschreiber, erstmals erwähnt. Damals war der Stein in der Kirchhofmauer unterhalb der heutigen Kirche eingemauert.

Im Dezember 1747 wurde der Stein aus der Mauer herausgelöst, von einem Steinmetz kopiert und nach Straßburg in die dortige Altertumssammlung gesendet, wo er 1870 verloren ging. Die Kopie wurde zunächst in der Nähe der ehemaligen Vermauerung (heutige Forschungsstelle neben dem Museum) verbaut und befindet sich seit 1956 an ihrem heutigen Standort.

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Zeichnung des Brückensteins nach F.X. Pfeiffer, Geschichte der Pfarrei Rheinzabern (1903).

Brunnen
1966 wurden Reste eines römischen Brunnens
bei Kanalisationsarbeiten westlich der Bahnlinie entdeckt und auf Veranlassung des damaligen Bürgermeisters Walter Schellenberger ausgegraben.


Zustand bei der Ausgrabung
Der gesamte Schachtinhalt konnte trockenen Fußes ausgegraben werden, da sich im Laufe der Jahrhunderte der Grundwasserspiegel um ca. 2 m abgesenkt hatte.
Der Brunnenschacht war mit Schutt aus der südlich benachbarten Töpferei angefüllt. (Wilhelm Ludowici hatte große Teile dieser Töpferei zu Beginn des 20. Jh. ergraben.)
Im Schutt fanden sich neben Keramikbruch auch Formschüsseln und Ofeneinsätze, die man zur Herstellung von Terra Sigillata benötigte.

Derzeitiger Zustand
Nach der Freilegung wurde der Brunnen in seinem Oberteil rekonstruiert und mit einem Ziegeldach und Schutzgitter versehen.
Der Mantel ist aus Dachziegelbruchstücken
lose gesetzt und hat einen lichten Durchmesser
von 90 cm.
Die Sohle des Brunnens liegt bei 3,40 m.

Ursprünglich stand der Brunnen mitten in einer spätrömischen Töpferei, wo er das Wasser für die Tonaufbereitung lieferte. Vermutlich versiegte der Brunnen und man baute einen neuen, anstatt ihn tiefer zu graben.

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Grabungsphoto während der Freilegung.

Kaufmann-Bauten
Die sogenannten Kaufmann-Bauten entstanden
im 18. und 19. Jahrhundert durch Wiederverwendung von römischem Bruchmaterial. Zahlreiche Scheunen, Häuser und Keller wurden in Rheinzabern auf diese Weise gebaut.

Besonders markant ist eine Scheune, da sie fast vollständig aus römischem Stein- und Ziegelbruch erbaut wurde. Gut erkennbar sind hier ein Mahlsteinfragment sowie der Gewölbeteil eines Brennofens.

Die "wilden Grabungen" des Maurermeisters Johann Michael Kaufmann (1791-1861)
Die Bezeichnung "Kaufmann-Bauten" verweisen auf den Maurermeister Johann Michael Kaufmann (1791-1861). Er ließ Bauern die römischen Überreste aus ihren Äckern ausgraben, wovon beide Seiten etwas hatten: Die Bauern konnten ihre Äcker leichter bearbeiten; Kaufmann bekam billiges Baumaterial.

Bei diesen wilden Grabungen stieß Kaufmann auch auf Kleinfunde, die bei Archäologen im In- und Ausland sehr begehrt waren. Die immer stärker werdende Nachfrage und das gute Geschäft verleiteten Kaufmann vermutlich dazu, auch Fälschungen auf den Markt zu bringen, die er als echt ausgab. Lange Zeit wurden diese Fälschungen nicht entdeckt, denn Rheinzabern war schon damals für seine unerschöpfliche Fülle an Funden bekannt.

Kaufmann lagerte die Fälschungen in einem Geheimgang im hinteren Kellerteil seines Hauses. Der Eingang zu diesem Gewölbegang war aus römischen Ziegelsteinen errichtet und durch ein gewöhnliches Holzregal getarnt.

Die Dokumentationen des
Johann Michael Kaufmann

Die Ergebnisse seiner Grabungen hielt Kaufmann schriftlich und teilweise in Skizzen fest und beschreibt so über 300 Befunde. Dazu gehören Brennöfen, Keller, Brunnen, Hypocaust-Anlagen und Gräber. Trotz seines schlechten Rufes lieferte er damit durchaus brauchbare Befundbeschreibungen, die noch auf eine viel versprechende Auswertung warten
.

Sog. Kaufmannsche Fälschungen. Objekte dieser Art finden sich in allen größeren Museen Europas.

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